Achtsamkeit für Führungskräfte: 9 Anregungen für mehr Zuversicht

|

Zuletzt aktualisiert am 29. Oktober 2020

Coach Christian Thiele gestaltet Coachings, Trainings, Workshops, Teamentwicklungen und Vorträge zu den Themen Positive Leadership, Kooperation/­Konflikt, Kommunikation und Ressourcenmanagement. Besonders das Thema Achtsamkeit für Führungskräfte liegt ihm am Herzen, deshalb gibt er in diesem Artikel 9 Anregungen, wie man zuversichtlicher und achtsamer führen kann.

Achtsamkeit als Führungskraft: Angst angehen

Viele erleben die Zeiten im Homeoffice als rasenden Stillstand: Von einem Zoom-Call in den nächsten, völlige Entgrenzung von Arbeit – und dazwischen kein Platz für Ruhe und Runterkommen. Ängste und Sorgen werden aber zumindest mittelfristig größer und stärker, wenn sie keinen Raum bekommen. Es braucht Orte und Zeiten von Entspannung und Ankommen im „Ich, hier, jetzt“, damit unsere Ängste nicht das Lenkrad übernehmen und wir auf dem Beifahrersitz oder gar im Kofferraum landen. Das lässt sich in Studien belegen. Gib Dir und lass Deinen Leuten auch Auszeiten. SAP zum Beispiel hat vor kurzem die so genannten Back-to-back-Meetings verboten, Pausen können zum Beispiel für Minimeditationen oder Fokus-Übungen genützt werden. Das fördert die Achtsamkeit bei Führungskräften.

Dopamin dosieren und achtsamer führen

Dopamin und andere Botenstoffe machen uns glücklicher, zufriedener, hoffnungsvoller. Wichtig für Führungskräfte ist aber auch zu wissen, wann, für wen und wie es ein zu früh, zu viel oder zu falsch an Zuversicht geben kann. Die Berliner Psychologin Judith Mangelsdorf, die zu über posttraumatisches Wachstum in Krisen forscht, lehrt und darüber eine preisgekrönte Dissertation geschrieben hat, betont: Die Forderung nach Zuversicht und Wachstum kann Menschen in einer traumatischen oder traumaähnlichen Lage auch überfordern und ihnen mehr Zuversicht nehmen als geben.

Erst und nur wenn Deine Mitarbeiterinnen wirklich verstanden haben, warum es zum Beispiel in der Krise erstmal nichts wird mit der geplanten Beförderung oder dem tollen neuen Projekt, erst wenn sie Raum bekommen haben für Verleugnung, Frust, Ärger, Trauer – erst dann kann Trost und Zuversicht häufig wirken. 

Erfolge erreichen, erleben, erinnern

Kleine, machbare Ziele können Geländer auf dem Weg zu mehr Zuversicht und Achtsamkeit als Führungskraft sein. Nichts spricht gegen große, anspruchsvolle Visionen, diese können sehr inspirieren. Aber formuliere gerade in diesen Zeiten für Dich selbst und für die Mitarbeiter immer wieder auch sehr konkrete und schnell erreichbare Ziele. Das stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit, ein wichtiges Rezept auf dem Weg zu mehr Zuversicht und Achtsamkeit.

Wichtig ist, dass wir Erfolge, und wenn es nur Zwischenetappen sind, dann auch wirklich wahrnehmen, feiern. Zum Beispiel mit einer Belohnung für mich selbst, zum Beispiel mit einer Dankesmail an mein Team. Und drittens können wir uns – und andere – immer wieder an vergangene Erfolge und Errungenschaften erinnern: „Wie genau haben wir es geschafft, dass…“ 

Handeln hilft Achtsamkeit für Führungskräfte zu entwickeln

Fallen drei Frösche in einen Sahnebottich, der eine ist Optimist, der andere Pessimist, der dritte ist zuversichtlich. Der Optimist sagt sich: „Wird mich schon wer retten“ – und ersäuft. Der zweite sagt sich: „Mich kann eh keiner retten“ – und ersäuft. Der dritte, zuversichtliche Frosch sagt sich: „Wenn ich fest strample, dann komme ich schon raus“ – schlägt aus der Sahne Butter und hüpft in die Freiheit.

Das ist der Unterschied zwischen Optimismus und Zuversicht: Wer zuversichtlich ist, hat nicht nur eine positive Erwartung an die Zukunft, sondern weiß auch um konkrete Wege, Ziele zu erreichen und hat dafür unterschiedliche Erfahrungen und Strategien, um diese Wege dann auch gehen zu können. Mehr darüber, was genau Zuversicht heißt und wie sie geht, könnt Ihr in meiner Podcastfolge von „Positiv führen“ zum Thema Zuversicht mit dem Autor und Psychologen Dan Tomasulo hören oder in meinem Blog nachlesen.

Konstruktiv kommunizieren – was das mit Achtsamkeit für Führungskräfte zu tun hat

Von früh bis spät auf allen Kanälen Corona-News hören und verbreiten: Keine gute Idee. Die Aufmerksamkeit geht dahin, wo unsere Energie hingeht – oder, mit viel mehr Wumms, auf englisch: „Energy flows, where attention goes.“ Chefinnen und Chefs sollten also erstens bewusst für sich klar haben, welche Newsletter, Podcasts, Zeitungen etc. sie konsumieren wollen und müssen, um Bescheid zu wissen – und wann der Ausknopf gedrückt wird, um der persönlichen Infodemie entgegenzuwirken.

Und zweitens ist es gut, wenn Ihr ein für Euch und Eure Mitarbeiter gutes Maß an Informationstransparenz findet: Was sollten Eure Leute wissen und kennen, um auch Eure Entscheidungen verstehen zu können? Und welche möglichen Katastrophenszenarien behaltet Ihr erstmal schön für Euch, um Notfallpläne zu haben, aber niemanden unnötig verrückt zu machen?

Positivität produzieren

Ärger, Frust, Sorgen und andere unangenehme Emotionen machen unser Denken und Handeln eng. Positive Emotionen wie Freude, Interesse, Gelassenheit machen uns nicht nur unempfindlicher gegen Negativität, fühlen sich nicht nur schön an, sondern weiten auch unsere mentalen und sozialen Kapazitäten. Das hat die Emotionsforschung herausgefunden.

Heißt das, dass alles nur supergesehen, schöngeredet und flauschiggestreichelt werden muss? Auf keinen Fall! Nur sollten gerade Führungskräfte gerade jetzt der Negativ-Verzerrung, die in unser aller Firmware eingebaut ist, entgegenwirken. Und einerseits für sich selbst schöne, interessante, spannende Dinge erleben. Und andererseits auch den Geführten Freude, Stolz etc. ermöglichen – durch Webinarangebote, Wertschätzung und Anerkennung, lustige Gemeinschaftsaktionen etc. Einige weitere Tipps dazu, wie Ihr virtuelle Wir-ologie wecken könnt, habe ich  hier zusammengetragen.

Sinn sehen und säen und Achtsamkeit als Führungskraft umsetzen

Wofür tun wir, was wir tun? Wer hat was von unseren Produkten, Dienstleistungen, Angeboten? Wessen Leben machen wir damit leichter, besser, einfacher? Viele Führungskräfte, hat Simon Sinek festgestellt, fokussieren sich viel zu sehr auf das, WAS und das WIE von Aufgaben – und viel zu wenig auf das WOFÜR. Denn wie hat Viktor Frankl so schön formuliert? „Wer ein Wofür zu leben hat, erträgt jedes Wie“. 

Vollendung vergessen – ein wichtiger Punkt für achtsame Führungskräfte

Realistische Erwartungen helfen Dir und den von Dir geführten, Ziele zu entwickeln, die auch wirklich erreichbar sind. In diesen Zeiten können viele Dinge nicht zu 100 oder gar zu 120 Prozent funktionieren. Gut genug statt genial, das muss und darf für viele Dinge jetzt reichen (natürlich nicht für alle). Wer da tiefer einsteigen will: Die wunderbare Brene Brown hat dazu vor einigen Jahren ein wunderbares Buch geschrieben und jetzt neu herausgebracht.

Zuversichtlicher durch Zeitreisen

Eine vernünftige Zeitmaschine hat einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Rückwärtsgang rein: Was habe ich, was haben wir aus früheren Zeiten von Ungewissheit, Umbruch, Unschönem mitgenommen und gelernt, das uns heute helfen kann? Im Vorwärtsgang kannst Du Dich und Euch fragen: Was werde ich, was werden wir in zehn Jahren über diese Zeiten sagen, fühlen, empfinden? 

Previous

Social Media Recruiting Strategie: Diese 2 Begriffe wirken Wunder

Networking während Corona: Riesenchance für introvertierte

Next

Schreibe einen Kommentar

Italian Trulli

Gratis: Dein Persönliche Werte Test

Die 8 Schritte in diesem kostenlosen PDF führen dich durch den Test für deine eigenen Werte. Damit du deine Werte klar benennen kannst und sie zu deinem Kompass im Leben werden.
Lade es dir jetzt herunter!

Du erhältst den Download-Link + 3 Hacks/Woche. Spam-frei. Stets abmeldbar.

Italian Trulli

Gratis: So erreichst du einfach und sicher deine Ziele 💪

Trage dich hier ein und ich schicke dir sofort die Materialien zum Formulieren deiner Ziele.

Du erhältst den Download-Link + 3 Hacks/Woche. Spam-frei. Stets abmeldbar.