Postagilität – oder: Was kommt nach der Agilität?

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Victoria Berg

Victoria Berg ist systemischer Coach und Beraterin für Kulturtransformation bei der HPO Research & Consulting Group. In ihrer gemeinsamen Forschung mit ihren KollegInnen, beantworten sie die Frage, was nach dem Agilitätsboom kommt. Sie ist Expertin für erfolgreiche Führung und Zusammenarbeit in Zeiten der Postagilität und begleitet Führungskräfte und Teams auf ihrem individuellen Weg dorthin.

Hannah Rütten ist Kommunikations- und Medienexpertin. Als kreativer Kopf, mit innovativen Ideen, gestaltet sie im Marketingteam von Mitsubishi Electric Mechatronics CNC unterschiedlichste (online) Marketingprojekte. Sie macht implizites Wissen, zwischenmenschliches Verhalten und das Mindset des Teams kommunizierbar, sodass andere davon lernen können.

Hannah Rütten

“Um erfolgreich zu sein, musst du agil arbeiten” – so tönt es von vielen OrganisationsberaterInnen von allen Seiten seit dem Ausbruch des Agilitätbooms.

Gleichzeitig beobachtet HPO Research & Consulting in der Praxis, dass genau damit echte und ernst zu nehmende Probleme auftreten können. Sie stellen sogar einen gegenläufigen Trend hin zu klassischen, hierarchiegetriebenen Arten der Führung und Zusammenarbeit fest. Was ist denn jetzt richtig und zielführend?

Roman Gaida von Mitsubishi Electric meint jedoch: „Wir glauben: Die Mischung macht's!“ Victoria Berg und ihre Kollegen von HPO Research & Consulting bestätigen: „Wir sind längst in der Postagilität angekommen.“

Wie man anhand des Praxisbeispiels von Mitsubishi Electric CNC erkennt, geht es in der Postagilität nicht um ein “Entweder – oder”. Vielmehr braucht es einen cleveren, umfeldabhängigen Einsatz von klassischen oder agilen Mechanismen der Koordination, Führung und Zusammenarbeit.

Dr. Marcus Heidbrink und Dr. Stefan Klaußner beschreiben die Postagilität und die Anwendung erstmalig in ihrem Harvard Business Manager Beitrag (Oktober 2020). Laut Heidbrink und Klaußner setzen klassische Mechanismen, klare Prozesse und Regeln voraus und werden durch Entscheidungen einer Führungskraft klar gesteuert und ergänzt.

Sie eignen sich besonders gut in einem Umfeld, in dem das Ziel und die Aufgabe sehr klar ersichtlich sind. Agile Mechanismen, bestehen aus selbstgesteuerten Teams und unternehmerischen Handeln und Denken jedes Individuums. Sie sind in Umfeldern von Vorteil, in denen Weg und Ziel nicht oder nur sehr schwer ersichtlich sind.

Um neben dem Blick auf die Theorie, auch einen praxisorientierten Blickwinkel auf das Thema zu erhalten, setzen wir die Praxisbrille auf und betrachten die Umsetzung der Schritte zur Postagilität am Beispiel von Mitsubishi Electric CNC im zweiten Teil. Aber zunächst die Theorie:

Wie schaffst Du nun den Weg zur Postagilität mit deinem Team? 

1. Hinterfrage immer wieder deinen aktuellen Status Quo 

Das einzig beständige in der VUKA-Welt (Volatil, Unsicher, Komplex, Ambivalent) ist die Unbeständigkeit. Überprüfe deshalb in regelmäßigen Abständen, ob die gewählten Mechanismen und die entsprechende Arbeitsweise überhaupt noch passend und angemessen ist oder es ein Update braucht. 

2. Attitude is key 

Überprüfe dich selbst und deine Haltung kritisch. Bin ich wirklich bereit, Verantwortung zu übergeben oder delegiere ich nur? Echtes Empowerment kann nur mit einer echten Verantwortungsübergabe stattfinden – eine Grundvoraussetzung in Zeiten der Postagilität.

3. Überprüfe den Reifegrad deiner MitarbeiterInnen 

Beherrscht dein Team die Klaviatur der Mechanismen? Sind sie fit in allen benötigen Arbeitsmethoden und besitzen das nötige Know-How? Wo herrscht noch Trainingsbedarf? Sorge dafür, dass dein Team fit in den benötigten Skills ist. 

4. Postagilität als Mindset

Wie offen und flexibel sind deine MitarbeiterInnen für Veränderung und Anpassung? Wie gut können sie mit der Verantwortungsübernahme umgehen? Es braucht das postagile Mindset, um alle Mechanismen spielen zu können. Wo besteht also gegebenenfalls Coachingbedarf auf der Mindset Ebene?

5. Keine Angst vor Kontrollverlust: Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser

Fehler und Rückschritte sind Teil des Prozesses und sind eher ein Learning auf dem Weg zum Ziel, als ein No Go. Psychologische Sicherheit und tiefes Vertrauen untereinander sind essentiell. Diese ist nicht selbstverständlich, es muss aktiv daran gearbeitet werden. Wie steht es um eure psychologische Sicherheit im Team? 

6.  Der Weg zur Postagilität ist ein Prozess, keine Eintagsfliege! 

Suche dir mit deinem Team einen Themenbereich aus, den ihr postagil gestalten wollt. Experimentiert und verändert Mechanismen Stück für Stück. Sammelt Erfahrungen und baut gegenseitiges Vertrauen mit den neuen Arbeitsweisen auf. Freude und Neugier am Ausprobieren sind Grundvoraussetzungen.

7. Keine Angst vor klaren Ansagen bei einfachen oder komplizierten Aufgaben

Besonders bei einfachen oder komplizierten Aufgaben, also dort, wo der Weg und das Ziel einer Aufgabe bekannt sind, können klare Ansagen Orientierung geben. Prozesse können verschneller werden, verschlankt werden und geben gleichzeitig eine klare Richtung vor. Scheue also nicht davor zurück, dort, wo es nötig und sinnvoll ist, klare Ansagen zu machen. 

Was können wir aus der Praxis lernen, in der Postagilität schon erfolgreich gelebt wird?

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5 Life Hacks zur Postagilität aus der Praxis:

Postagilitaet

Auch das Management des Bereichs Mechatronics CNC der europäischen Tochtergesellschaft des japanischen Technologiekonzerns Mitsubishi Electric mit Hauptsitz in Ratingen, hat sich bereits vor Jahren eingehend mit dem Thema Digitalisierung und der Veränderung ihrer Unternehmenskultur beschäftigt und seitdem erfolgreich einen digitalen und kulturellen Wandel durchgeführt.

Wie ist es dem CNC Team von Mitsubushi Electric gelungen in die Postagilität zu kommen? Mit diesen 5 Hacks schafft man die perfekte Grundlage.

Der Weg zur Postagilität in der Praxis – 5 Hacks aus dem Erfahrungsschatz von Mitsubishi Electric Mechatronics CNC. 

1. Feedback 

Kommunikation ist der Grundstein einer guten Beziehung und der Startpunkt jeder Veränderung. Das gilt nicht nur für den privaten, sondern auch für den geschäftlichen Bereich. Deswegen hat der Bereich Mechatronics CNC zunächst eine neue Feedbackkultur etabliert. Konstruktive Kritik, neue Ideen und Optimierungsvorschläge sind nicht nur gewünscht, sondern werden auch gefordert.

Transparenz, Kommunikation und ehrliches Feedback sind essentielle Faktoren für den Erfolg eines Teams, vor allem in Zeiten der Veränderung.

2. Postagilität ist keine Top-Down Entscheidung, es ist ein Teamprozess

Sobald man eine solide Feedbackkultur etabliert hat, lassen sich Entscheidungen viel besser im Team treffen. Diese Transparenz bei Entscheidungen schafft Vertrauen – und Vertrauen motiviert. Durch die Einbindung der Mitarbeiter bei Entscheidungsprozessen, ergeben sich völlig neue Perspektiven und Ideen.

Dabei kann auch rauskommen, dass eine Top-Down Entscheidung benötigt wird, aber der Weg dorthin entsteht gemeinsam als Team. Auch Mitsubishi Electric CNC hat diese Erfahrungen gemacht und ist damit sehr erfolgreich.  

3. Ziele definieren und gemeinsam in Angriff nehmen!

Wichtig ist ein gemeinsames Ziel. Und besonders ein erreichbares Ziel, sodass kein Frust entsteht. Dieses Ziel muss im Team erarbeitet werden und im Team verfolgt werden. Dabei sollte der Weg zum Ziel immer transparent sein.

Bei Mitsubishi Electric CNC werden mit den Mitarbeitern klare Ziele definiert, welche individuell erarbeitet/umgesetzt werden können. Dabei besinnt sich die Bereich immer auf gemeinsam definierte Werte. Dazu gehört zum Beispiel: Love it or change it!. 

>> Lese hierzu auch den Artikel Veränderung meistern durch Rituale <<


4. Der Weg ist das Ziel zu erfolgreicher Postagilität!

Bei Mitsubishi Electric CNC hat man die Erfahrung gemacht, dass diese Prozesse nicht von heute auf morgen umsetzbar sind und auch nicht alle auf Anhieb funktionieren. Dennoch muss man Geduld haben und flexibel bleiben. Es kommt nicht auf die schnellen Erfolge an, sondern auf nachhaltige Gewinne.

Solange man von dem Weg überzeugt ist, sollte man daran festhalten und mutig sein. Dadurch kann man auch Vorbild für Andere werden und zeigen, wie es geht. Gleichzeitig muss man akzeptieren, dass der eigene Weg nicht automatisch auf andere übertragbar ist. Wird einmal in die falsche Richtung gelaufen oder die Rahmenbedingungen verändern sich, wird dies analysiert, der mutige Schritt gewürdigt und schnell auf einen neuen Weg angepasst.


5. Veränderung verhindert Stillstand.

Bei Mitsubishi Electric CNC geht es immer darum, das bestmögliche aus einem selbst, aus dem Team und der Technologie herauszuholen, um erfolgreiche Projekte mit Kunden zu gestalten. Dabei kann man nicht darauf vertrauen, dass funktionierende Strukturen auf unbegrenzte Zeit funktionsfähig bleiben.

Statt den Satz “was uns damals erfolgreich gemacht hat, macht uns auch zukünftig erfolgreich” herein zu fallen, gilt es, den Status Quo ständig zu überprüfen.. Nur so, bleibt man immer im Wandel und kann schnell und effektiv auf neue Situationen und Veränderungen reagieren. Erfolge würdigen und abfeiern gehören dabei auch dazu!

Fazit

Keine Angst vor Veränderungen! 

Wir sprechen schon lange nicht mehr nur von agilem Arbeiten. Wie es im Leben nun mal der Fall ist, gibt es nicht nur schwarz und weiß, offene oder geschlossene Hierarchien, agiles oder klassisches Arbeiten. Wir sprechen von dem nächsten Schritt. Das, was nach der reinen Agilität kommt. Wir sprechen von Postagilität!

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