Reverse Recruiting: Die besten Leute gewinnen

|

Zuletzt aktualisiert

Stefan Maas ist CEO und Gründer von The Pitch Club AG, die mit der Pitch Club Developer Edition Reverse Recruiting Events für Software-Entwickler in ganz Deutschland veranstaltet. Hier erklärt er, was Reverse Recruiting bedeutet und wie Unternehmen davon profitieren.

Höre das Interview mit Stefan Maas und Arthur Rehm im TALENTE Podcast bei Apple Podcasts, bei Spotify, bei Google Podcasts oder direkt hier:

Not macht erfinderisch – und im IT-Bereich ist die Not in Form von fehlendem Personal besonders groß. Echte Tech-Profis werden überall händeringend gesucht. Aber: Die Kandidaten erwarten mehr als Angebote mit viel Geld, ein paar guten Worten oder Privilegien. Der neue Recruiting-Ansatz des Reverse Recruiting kann diese Erwartungen erfüllen und endlich wieder Interesse für offene Jobs schaffen.

Ein Arbeitnehmermarkt par excellence

Knapp über 200 Prozent Wachstum in nur fünf Jahren – das ist die erschütternde Wachstumsrate der fehlenden IT-Fachkräfte in Deutschland zwischen 2014 und 2019. Wer sich bei IT-Unternehmen umhört, erhält vor allem eine Erklärung für das rapide wachsende Problem: Es gibt schlichtweg zu wenig geeignete Bewerber. Der Kampf um die besten Köpfe tobt heftiger denn je. Unternehmen – gerade die KMUs – brauchen dringend neue Ideen, wollen sie in diesem Wettbewerb nicht hoffnungslos zurückfallen.

+++ Du möchtest jede Woche ein Stückchen besser werden? ❤️ Dann melde dich jetzt für den TALENTE Hacksletter an! 1x pro Woche 3 simple und sofort umsetzbare Ideen, die dich als Leader noch erfolgreicher machen. Hier geht's zur Anmeldung. +++

Eine 180-Grad-Wende durch Reverse Recruiting

Kommt beim klassischen Recruiting mit Stellenanzeigen und Co. oder auch beim Active Sourcing – der individuellen Kandidatenansprache – immer weniger heraus, muss ein neuer Plan her. Und den gibt es bereits: Reverse Recruiting. Die Methode meint das genaue Gegenteil des konventionellen Recruitings. Anstelle der Bewerber bewerben sich hier die Unternehmen bei den Kandidaten. Sie heben die Vorzüge ihrer Unternehmenskultur und der angebotenen Jobs heraus und stellen sich anschließend den Fragen der Bewerber.

Daraus ergibt sich ein Rollenverhältnis, das die Generation Y, die Millenials, aber auch erfahrene und etablierte Kräfte sehr schätzen. Sie ignorieren überwiegend allgemeine Stellenanzeigen und zeigen sich zumeist auch einer persönlichen Ansprache im Active Sourcing wenig offen. Sie wollen Teil von etwas Großem und Zukunftsorientiertem sein: Work-Life-Balance, Nachhaltigkeit oder Ethik im Unternehmen sind dafür wichtige Eckpfeiler.

Sinnbild einer neuen Generation

Personaler und Unternehmer durften sich vor nicht allzu langer Zeit noch relativ entspannt zurücklehnen. Auf ihren Tischen lag ein ganzer Stapel Bewerbungen und sie konnten sich die Top-Bewerber herauspicken. Bei den Personalverantwortlichen ist heutzutage jedoch eine ganz neue Generation gefragt, damit das Recruiting funktioniert. Es braucht Marketing-Typen, Verkäufer, die von ihrem Unternehmen und den Möglichkeiten der angebotenen Jobs restlos überzeugt sind und voller Begeisterung authentisch darüber sprechen.

Reverse Recruiting: Wo und wie funktioniert es?

Die “Pitch Club Data Expert Edition” für Datenexperten und die “Pitch Club Developer Edition” für Softwareentwickler sind gute Beispiele, wie Unternehmen ihre Vorzüge ganz im Sinne des Reverse Recruiting in einem neutralen Umfeld vor erfahrenen Kandidaten präsentieren können. Eine Selektion der gesuchten IT-Profis findet im Vorfeld statt, um Qualität und Wechselbereitschaft sicherzustellen. Man trifft sich bewusst an einem neutralen, eher ungewöhnlichen Ort für ein Bewerbungsgespräch: einer Bar oder einem Club.

Am frühen Abend geht es zunächst ums Business und die durchschnittlich zehn teilnehmenden Unternehmen schicken ihre IT-Verantwortlichen auf die Bühne, um ihre Stellenangebote, die Arbeitsweise sowie die jeweilige Unternehmenskultur kurz, knapp und präzise in sechs Minuten zu präsentieren. Anschließend stehen sie für drei Minuten den kritischen Fragen der vorselektierten Softwareentwickler aus dem Publikum zur Verfügung. Später am Abend geht die Veranstaltung dann in einer lockeren Atmosphäre bei kühlen Getränken und Snacks ins Zwanglose über: Man unterhält sich von Entwickler zu Entwickler, fachsimpelt und lernt das Gegenüber recht ungezwungen kennen.

Reverse Recruiting kommt bei Experten gut an

Ein solcher Ablauf kommt auf der Kandidatenseite gut an, weil er ganz anders und deutlich informeller ausfällt als der sonst übliche Bewerbungsablauf. Der lockere Austausch lässt Raum zum weiteren Kennenlernen. Genauso haben sich für das umgekehre Recruiting natürlich auch längst IT-Lösungen gefunden, die den Prozess auf Online-Plattformen umsetzen, wie z.B. Honeypot aus Berlin.

Dennoch: Noch sind längst nicht alle Unternehmen auf den Zug des Reverse Recruiting aufgesprungen. Im immer härteren Kampf um den eng begrenzten Kreis wirklich geeigneter Job-Kandidaten ist es allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis sich mehr und mehr Unternehmen entscheiden, auch Reverse Recruiting zu nutzen.

Meine Key Learnings aus unseren Reverse Recruiting Events

  • Die Personalgewinnung im IT-Bereich steckt in einer tiefen Sackgasse und ist ein brutaler Arbeitnehmermarkt: Die Zahl der unbesetzten Jobs steigt und steigt.
  • Big Player innerhalb und außerhalb der Branche räumen den engen Markt mit aller Macht ab und drängen KMUs noch mehr an den Rand.
  • Klassisches Recruiting und selbst Active Sourcing scheitern immer häufiger, da die Kandidaten andere Anreize haben und sich die Jobs quasi frei auswählen können.
  • Work-Life-Balance, Nachhaltigkeit oder Ethik im Unternehmen sind wichtige Selektionskriterien für die Jobkandidaten.
  • Ein U-Turn im Recruiting kann die Wende und eine Lösung bringen: Reverse Recruiting.
  • CTOs und IT-Leads rekrutieren bei der “Pitch Club Developer Edition” Softwareentwickler mit authentischen Einblicken und überzeugenden Antworten auf kritische Fragen.
  • HR kommt erst in einem späteren Schritt für die Formalitäten des Arbeitsverhältnisses ins Spiel und muss heutzutage erfolgskritische Sales-Fähigkeiten aufweisen.
  • Der Trend zu Reverse Recruiting steht erst am Anfang und wird sich aller Voraussicht durch die demographische Entwicklung und den Digitalisierungsdruck weiter verstärken.

Abonniere den Talente Podcast bei Apple Podcasts, bei Spotify oder bei Google Podcasts, um keine Folge zu verpassen.

Previous

Mitarbeiter-Benefits: Die New Work Handlanger

Team Offsites: 5+1 Gründe, wann sie sinnvoll sind

Next

Schreibe einen Kommentar