Anwerbe-Offensive: Programmierer finden leicht gemacht?

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Jost Schatzmann ist Vice President Market Place bei der tech-fokussierten Jobplattform Honeypot. In diesem Artikel schreibt Jost Schatzmann darüber, welche Vorteile die neue Anwerbe-Offensive der Bundesregierung hat und wie man dadurch den Fachkräftemangel besonders im IT-Bereich bekämpfen kann.

Der Fachkräftemangel ist das Schlagwort im Bereich Recruiting. Es scheint, als fehle es in Deutschland an allen Stellen: Handwerker, Pflegekräfte, Ingenieure. Vor allem aber der IT-Fachkräftemangel lässt bangen – sind es doch die digitalen Projekte und Innovationen, die die Wirtschaft der Zukunft tragen werden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Personalmangel in der IT als eines der größten Risikos für einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich gesehen wird. Wird die neue Anwerbe-Offensive der Bundesregierung helfen?

China ist auf dem Weg, weltweiter Vorreiter in Künstlicher Intelligenz zu werden. Das Silicon Valley ist weiterhin Pionier bei der Entwicklung bahnbrechender Technologien, auch im Automotive-Sektor. Wir müssen uns daher jetzt öffnen und extensiv mehr IT-Talente für  deutsche Unternehmen gewinnen – auch aus dem Ausland.

Wen betrifft der Fachkräftemangel?

Die Zahlen des Digitalverbands Bitkom lassen wenig Gutes hoffen: Demnach seien die offenen Stellen für IT-Spezialisten in deutschen Unternehmen auf einem Rekordhoch! 124.000 unbesetzte Stellen zählt Bitkom 2019. 2018 waren es noch 82.000. Eine Steigerung von 50 Prozent! 

Im Jahr 2015 waren es noch 43.000 unbesetzte Stellen. Das ist auch das Gründungsjahr von Honeypot. Mitgründer Kaya Taner war damals noch bei seinem ersten Unternehmen App-lift. Das Startup kam aus dem Series-A-Investment und stand vor der Herausforderung, das technische Team stark hochzuskalieren. Taner merkte, wie schwierig es ist gute Developer zu bekommen, aber auch, wie schwierig der Arbeitsmarkt für die Tech-Talente selbst ist. Sie werden mit Jobangeboten überhäuft, obwohl die Aufgaben gar nicht zu ihrem Profil passen, oder sie suchen derzeit einfach keinen neuen Job – das Ergebnis: Selbst gute Angebote gehen in der Spamflut unter. 

Hier kam Taner die Idee zu Honeypot, einer kandidatengetriebenen, transparenten Jobplattform, die er zusammen mit Emma Tracey in die Tat umsetzte. Unternehmen, die sich auf Honeypot bei IT-Experten bewerben, geben direkt alle Angaben zu erwartendem Gehalt, Arbeitsort, Programmiersprachen und der Technik an, mit der gearbeitet werden soll. Die Entscheidungsmacht liegt ebenso bei den Tech-Talenten: Unternehmen bewerben sich bei Suchenden und die entscheiden, ob sie Interview-Einladungen annehmen oder nicht.

Diese Geschichte zeigt zwei Probleme des Fachkräftemangels: Unternehmen (Startups, die schnell ein Tech-Team aufbauen müssen, aber auch alteingesessene Unternehmen und Konzerne) verzweifeln bei der Suche nach geeigneten Programmierern. Sie haben eventuell eine bahnbrechende Idee, oder stehen unter Druck, ihr Unternehmen fit für die digitale Wirtschaft zu machen, finden aber keine IT-Fachkräfte. Ebenso verzweifeln die ITler selbst, da sie unter den Massen der irrelevanten Anfragen kaum passende Angebote bekommen, ein Jobwechsel wird dadurch eher abschreckend

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Fachkräftegipfel und Anwerbe-Offensive

Anwerbe-Offensive: Jost Schatzmann von Honeypot gibt seine Einschätzung ab
Jost Schatzmann über die Anwerbe-Offensive der Bundesregierung

Diese Probleme hat auch die Bundesregierung erkannt. Ein Fachkräftegipfel wurde einberufen und am Ende steht die neue Anwerbe-Offensive. Kern des Ganzen: Man hat eingesehen, dass der Fachkräftemangel (egal in welcher Branche) national nicht zu lösen ist. Deutschland braucht qualifizierte Fachkräfte aus dem (EU-)Ausland. Um diese anzulocken, müssen bürokratische Hürden und Bottlenecks abgebaut werden, Verfahren müssen vereinheitlicht und beschleunigt werden und es braucht mehr Personal in den Ämtern. Im März 2020 soll die Anwerbe-Offensive umgesetzt werden.

Bisherige Probleme beim Recruiting von Fachkräften aus dem Ausland

Ein drängendes Problem, das sich ergibt, wenn Unternehmen Talente aus dem Ausland einstellen möchten, ist die Wartezeit: Bei einigen Botschaften in Deutschland beispielsweise der aus Nigeria gibt es Wartezeiten von über drei Monaten, bis eine angeworbene Fachkraft einen Termin bekommt. Hier müssen Kandidaten aus dem Ausland ihren Antrag für das Nationale Visum beantragen und in manchen Fällen (wie z.B. bei jahrelanger Arbeitserfahrung, aber fehlendem Uni-Abschluss)  direkt ihre Vorabprüfung der Bundesagentur für Arbeit abgegeben. Die Botschaften haben bei diesen Verfahren durchaus zeitliche Probleme, kommen aber häufig entgegen und versuchen frühere Termine zu vermitteln, wenn ein Arbeitsvertrag einen sehr frühen Antrittstermin vorsieht. 

Die Ausländerbehörden sind ebenfalls stark ausgelastet – Termine sind rar gesät. Diese Behörden kümmern sich häufig nicht nur um hochqualifizierte Fachkräfte, sondern ebenso um Studenten, was einen großen Andrang mit sich bringt. Teilweise sind die Behörden für einen Antrag auf eine Blue-Card, eine Arbeitserlaubnis für hochqualifizierte Fachkräfte aus dem EU-Ausland, bis in den Sommer hinein ausgebucht

Berlin geht hier aber nun als gutes Beispiel voran

Die Ausländerbehörde wurde umbenannt zu “Landesamt für Einwanderung” – hier schwingt mit Absicht eine Willkommenskultur mit. Der Namenswechsel ist aber natürlich nicht alles. Es sollen sich Prozesse ändern. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost fasst es Engelhard Mazanke, der Chef der Behörde, zusammen: “Wir wollen nicht nur das Türschild verändern, sondern besseren Service bieten, kundenorientierter und schneller werden. Wir werden mehr mit Englisch arbeiten. Und hoffentlich wird es dann ein Mehr an Einwanderung geben.” erklärt Mazanke. Weiter sollen die Abläufe, die nun speziell auf die Bedürfnisse der Einwanderungsbehörde zugeschnitten sind, effizienter werden. Ebenso gäbe es eine Personalaufstockung

Die Anwerbe-Offensive zusammengefasst:

Ja, es gibt einen Fachkräftemangel, der War for Talent ist in vollem Gange und Unternehmen haben es auf der Suche nach IT-Fachkräften nicht leicht. Wer aber clever ist, der schaut sich auch nach internationalen Talenten um – die Bundesregierung fördert diese Entscheidung und macht den Weg für ein unkompliziertes Recruiting ausländischer Fachkräfte durch die neue Anwerbe-Offensive frei. Erweitert man den Pool an potentiellen Kandidaten für sein Tech-Team international, dann wird der Fachkräftemangel drastisch kleiner. Das Silicon Valley macht es uns seit Jahren vor: 2018 stammten über 70 Prozent der IT-Profis dort aus dem Ausland.


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