Probezeit: Trennen oder zusammen bleiben?

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Ich hab‘ mich nicht getraut, Mitarbeiter während der Probezeit zu kündigen“ – so sprechen erfahrene Unternehmer über einen der größten Fehler ihrer Karriere. Dabei geht es in der Probezeit, wie in jeder anderen Partnerschaft, nicht gleich um eine „Beziehung für die Ewigkeit“. Sowohl Unternehmen als auch Mitarbeiter sollen sich kennenlernen und können dann entscheiden, ob sie länger als nur ein paar Monate miteinander zurechtkommen. Wie du als Führungskraft die Probezeit optimal für dein Unternehmen nutzen kannst, erfährst du hier.

Höre hier unsere Podcast Folge TLNT54 mit praktischen Tipps und Tricks rund um die Probezeit:

Sich gegenseitig ausprobieren

In der Probezeit entwickeln beide Seiten ein Gespür dafür, ob der jeweils andere Part gut zu einem selbst passt. Wie der Name also schon andeutet, ist die Probezeit dafür da, sich gegenseitig auszuprobieren. Auf Unternehmensseite ergeben sich dabei folgende Fragen: Harmoniert der neue Mitarbeiter gut mit dem Team? Vertritt er die Werte der Organisation? Handelt er im Einklang mit der Unternehmenskultur? Auf der Mitarbeiterseite sind andere Fragen relevant, wie zum Beispiel: „Entspricht die neue Jobrolle meinen eigenen Erwartungen? Gefällt mir das Arbeitsumfeld? Sind die neuen Kollegen so wie ich es mir vorgestellt habe?“ Die Probezeit ist demnach ein faires Tool: sie bietet beiden Parteien die Möglichkeit, nach einem ersten Kennenlernen die Reißleine zu ziehen, wenn die Wellenlänge nicht stimmt.

Klug während der Probezeit kündigen

Arbeitgeber sollten versuchen zu vermeiden, dass die Probezeit zur „Zerreißprobe“ wird. Oder anders gesagt: jedes Unternehmen sollte von vornherein verhindern, dass eine Stelle falsch besetzt wird. Schon vor, aber vor allem während der Probezeit, sind deshalb einige Punkte zu beachten:

  1. Nenne die wichtigsten Aufgaben & vereinbare Ziele

    Um herauszufinden, ob du mit einem Bewerber auf einer Wellenlänge liegst, solltest du dem Bewerber noch vor Vertragsabschluss die wichtigsten Aufgaben im neuen Job nennen. Darüber hinaus ist es hilfreich, schon vor Antritt der Probezeit konkrete Ziele zu kommunizieren. Der Bewerber kann dann für sich abgleichen, ob die Tätigkeiten und Ziele mit seinen eigenen Erwartungen übereinstimmen. Du als Arbeitgeber merkst wiederum, ob sich der Kandidat mit dem Stellen-Profil identifizieren kann. Daraus entsteht eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

  2. Tausche dich regelmäßig mit dem Mitarbeiter aus

    Diese Transparenz solltest du vor allem auch in der Probezeit aufrechterhalten. Als Arbeitgeber ist es deine Aufgabe, in regelmäßigen Abständen Feedback-Gespräche mit deinem Mitarbeiter zu führen. In diesen Gesprächen überprüft ihr gemeinsam, ob der Mitarbeiter die gemeinsam vereinbarten Ziele erreicht hat. Falls der Mitarbeiter hinter den Erwartungen zurückbleibt, solltest du das nicht beschönigen. Es ist besser, dem Mitarbeiter ehrlich zu kommunizieren, dass er sein „Soll“ bislang nicht erfüllt hat.

  3. Sprich Probleme offen an

    Wenn ein Mitarbeiter seine Ziele nicht erreicht, solltest du ein problemzentriertes Gespräch mit ihm führen. Problemzentriert bedeutet, dass du nach den konkreten Ursachen fragst, die dazu geführt haben, dass der Mitarbeiter die Erwartungen des Unternehmens nicht erfüllt hat. Gleichzeitig solltest du im Gespräch deutlich machen, dass du die Probezeit nicht verlängert wirst, wenn der Mitarbeiter auch in Zukunft die gesteckten Ziele verfehlt.

  4. Sei ehrlich und ziehe Konsequenzen

    Circa vier Wochen nach dem ersten problemzentrierten Gespräch setzt ihr euch ein zweites Mal zum „Krisentreffen“ zusammen und resümiert, was sich in der Zwischenzeit verbessert hat. Das Ziel dieses Gesprächs ist, gemeinsam zu entscheiden, ob ihr weiter miteinander arbeiten wollt oder ob ihr euch wieder voneinander trennt (mehr zum Thema Kündigung erfährst du hier).

Wenn sich eine Partei oder beide Seiten selbst nach mehreren Gesprächen noch nicht sicher ist, ob eine Zusammenarbeit über mehrere Monate bzw. Jahre zielführend ist, kannst du als Arbeitgeber die Probezeit verlängern. Für beide Seiten kann die verlängerte Probezeit eine Chance sein. Welche legalen Möglichkeiten es dazu gibt und was du beachten musst, verrät dir Michael im Podcast. Und im Ernstfall heißt es dann doch, den Mitarbeiter nach einer verlängerten „Schnupperphase“ zu entlassen. Weiterführende Informationen findest du hier.

Lieber Schluss machen als verharren

In der Praxis trennen sich allerdings nur wenige Unternehmen und Mitarbeiter während der Probezeit voneinander. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Mitarbeiter fürchten zum Beispiel, dass eine Kündigung im Lebenslauf schlecht aussieht. Oder sie wollen sich selbst nicht eingestehen, bei der Jobwahl nicht genau genug hingesehen zu haben. Wieder andere glauben, dass das Unternehmen sie bewusst getäuscht hat – und handeln trotzdem nicht. Auf der anderen Seite fällt es auch Unternehmen schwer, sich von Mitarbeitern zu trennen. Das Ego spielt hier ebenfalls eine Rolle. Personalverantwortliche räumen nicht gerne ein, dass sie einen Fehlbesetzung verursacht oder zugelassen haben, indem sie die Qualifikationen oder soziale Kompetenz eines Bewerbers falsch eingeschätzt haben. Das führt dazu, dass die Parteien häufig auch dann zusammen bleiben, wenn sich ein Partner längst trennen will.

Wie auch in jeder anderen Beziehungskiste kann das problematisch sein: der Trennungswunsch zeigt schließlich, dass mindestens eine der beiden Seiten mit der aktuellen Situation nicht zufrieden ist. Sich voneinander zu trennen kann daher durchaus sinnvoll sein. Schließlich verbringt ein Mitarbeiter bei einer 5-Tages-Woche mit einer täglichen Arbeitszeit von mindestens 7 oder 8 Stunden meist mehr Zeit mit der Firma als mit der eigenen Familie. Wenn es bereits in der Probezeit kriselt, ist das ein guter Indikator dafür, dass es auch später Reibungen geben wird. Daher gilt auch hier die Faustregel: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

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