Veränderung meistern durch Rituale

| ,

Zuletzt aktualisiert

Leif Lewinski ist Mitglied des Rituals for Change Kollektivs. Hier schreibt er darüber, warum Unternehmen Rituale nutzen sollten, um durch Veränderung und Wandel nachhaltig erfolgreich zu sein.

Viele deutsche Firmen wollen sich wandeln, aber schaffen es nicht. Sie bleiben trotz ihrer Vorsätze für Veränderung doch lieber bei dem, was sie kennen und was sie immer schon gemacht haben. Woran liegt das, wie kann sich das bessern – und was haben Rituale damit zu tun?

Bei Veränderung wird das „Wie“ oft vergessen

Weltweit sind die Themen New Work und Veränderung in aller Munde. Auch in Deutschland werden sie diskutiert – aber hier dreht sich die Diskussion vor allem um das “Was (alles geändert werden muss)”. Meist wird nur auf der technologischen und prozessualen Ebene über neue Tools und Strukturen diskutiert, weil wirtschaftliche Erfolge in diesen Parametern gemessen werden. 

Was häufig viel zu kurz kommt, ist das “Wie (man zum gewünschten Status kommt)” – obwohl gerade dieses „Wie“ der entscheidende Erfolgsfaktor ist. Denn wenn sich ein Unternehmen verändern möchte, dann reicht es nicht, den Mitarbeitern einfach nur einige neue Hilfsmittel in die Hand zu drücken und dann zu erwarten, dass sich damit alles grundlegend ändern lässt.

Stattdessen sollten Unternehmen viel mehr darauf achten, dass sich nicht nur die Werkzeuge der Mitarbeiter ändern, sondern vor allem auch deren Verhalten und Einstellung. Sie müssen das Mindset ihrer Angestellten in den Fokus rücken, wenn sie einen ernsthaften und sinnvollen Wandel in ihrem Haus erreichen möchten.

Routinen verhindern Veränderung und Wandel

Viele Mitarbeiter sind aber gar nicht an einem neuen Mindset interessiert. Sie haben ihre Routinen – und mögen sie. Kein Wunder, denn sie finden in diesen Abläufen Sicherheit und Orientierung, was gerade in einer Welt wie unserer, in der sich alles kontinuierlich verändert, angenehm sein kann. Diese Routinen zu verlassen, schmerzt. Jeden einzelnen von uns, aber das Kollektiv eines ganzen Unternehmens noch viel mehr.

Entsprechend ist es kein Wunder, dass so viele Ansätze von Veränderung im Keim ersticken. Denn eine Veränderung ist nur möglich, wenn man seine lieb gewonnenen Routinen hinter sich lässt, also nur dann, wenn die Mitarbeiter eines Unternehmens offen dafür sind, das Alte hinter sich zu lassen und etwas Neues auszuprobieren und anzunehmen.

Speziell für Unternehmen sind Veränderungen allerdings unabdingbar. Unternehmen müssen sich immer wieder anpassen, auf neue Herausforderungen reagieren, schnell reagieren können – nur wenn es ihnen also gelingt, ihre Mitarbeiter zu einem echten Wandel zu bewegen, können sie am Markt bestehen bleiben und erfolgreich werden.

Routinen überwinden durch Rituale

Als Vorbild dafür dienen amerikanische Firmen. Denn gerade große US-Unternehmen wie Dropbox, Google oder Amazon sind Veränderungen gegenüber enorm aufgeschlossen – und schaffen es auch, ihre Mitarbeiter dabei mitzunehmen. Dabei dürfte doch auch bei ihnen eine Vorliebe für Routinen herrschen. Wie schaffen sie es, die Routinen zu überwinden und so offen für Veränderung zu sein?  

Ganz einfach: Sie nutzen Rituale. Rituale unterstützen uns dabei, unsere Routinen zu verlassen und Wandel innerhalb einer Organisation zu initiieren. Insbesondere wenn wir sie als Gruppe erleben, haben Rituale – wie Studien belegen – eine große psychologische, physiologische und emotionale Kraft.

Rituale geben Sicherheit in Zeiten der Veränderung

Die psychologischen Auswirkungen von Ritualen geben uns Menschen das Gefühl von Zufriedenheit und Aufgehobenheit – und sie beruhigen auf diese Weise die negativen Emotionen, die zum Beispiel durch die Veränderungen bei den betroffenen Mitarbeitern erzeugt wurden. 

Sie können Werte, Sinn und Identität transportieren und sie verbinden Menschen stärker miteinander. Innerhalb eines Unternehmens werden durch sie die Mitarbeiter als Kollektiv auf eine gemeinsame Kultur oder gemeinsame Ziele eingeschworen und treiben damit auch die Transformation der Firma voran.

Die Wichtigkeit der Rituale wird noch deutlicher, wenn man sich am Schnelles Denken (System 1), langsames Denken (System 2)-Modell von Dr. Daniel Kahnemann orientiert: Während aktuell viele Firmen Agilität in den Fokus stellen und schnelle Entscheidungen (System 1) forcieren, sind es Rituale, die für Entschleunigung sorgen (also eher gemäß System 2) und Wandel von Verhaltensweisen nachhaltig prägen.

Wie erschafft man Rituale für erfolgreiche Veränderung?

Es erscheint einfach, sich an den bestehenden Ritualen anderer Unternehmen zu orientieren und die für seine Organisation passenden zu übernehmen. Es gibt ja bereits genügend Beispiele, bei denen man sich bedienen könnte: Google, Amazon, Viessmann, Dropbox und noch viele mehr.

Allerdings wäre das reine Ritual-Kopieren keine gute Idee. Jedes Unternehmen braucht seine ganz eigenen Rituale – nämlich solche, die sich an dem individuellen kulturellen Code des Unternehmens orientieren. Rituale, bei denen die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass es ihre eigenen sind.

Es geht also darum, sich des eigenen kulturellen Codes bewusst zu werden und die eigenen Rituale dazu passend zu gestalten. Oft ist uns allerdings nicht bewusst, wie wir ein eigenes Ritual gestalten können – deswegen haben wir uns herkömmliche Rituale genauer angeschaut und festgestellt: Sie bestehen immer aus drei Elementen.

  1. Intention

    Was soll mit dem Ritual erreicht werden, welche Hürden überwunden und Verhaltensweisen verändert werden?

  2. Auslöser

    Zu welchem Anlass findet das Ritual “automatisiert” statt – einmal die Woche oder zum Eintritt eines bestimmten Ereignisses (z.B. Gewinn oder Verlust eines Kunden)?

  3. Aktion

    Was passiert genau, wie ist der Ablauf und wo findet es statt?

Genau nach diesem Muster funktionieren übrigens auch die Rituale bei Amazon, Google und Co.:

Dieses Modell, das von erfolgreichen amerikanischen (und einigen sehr fortschrittlichen deutschen) Firmen verwendet wird, ist hervorragend zur Orientierung geeignet, um selbst seine eigenen Rituale zu entwickeln, sie zu prüfen und weiter auszubauen:

Rituals For Change Veraenderung & Wandel Rituale Modell
Das Rituals for Change Ritualmodell von Nina B. Fischer et. al

Rituale für dein Unternehmen entwickeln

Im nächsten Schritt solltest du Rituale für dein Unternehmen oder Team entwickeln. Wir – Dr. Frederik G. Pferdt (Chief Innovation Evangelist bei Google), Nina Fischer (Management Coach), Matthias Wesselmann (Vorstand fischerAppelt), Frederik Frede (Co-Founder Freunde von Freunden & MoreSleep) und ich – veranstalten am 26. und 27. September 2019 die nächste Ausgabe unseres mit dem XING New Work Award prämiertenRituals for Change” Workshop im Berliner Friends Space, wo wir mit den Teilnehmern individuelle Rituale kreieren, um Veränderung erfolgreich zu meistern.

An zwei Tagen zeigen wir dabei die erfolgreichsten Rituale anderer Unternehmen und gestalten mit dir gemeinsam neue, individuelle Rituale, die sofort implementiert werden können. Darüber hinaus laden wir alle Teilnehmer in unsere “Community des Wandels” ein, ein Kreis von Menschen, die ihre eigene Organisation nachhaltig verändern wollen und sich bei diesem Prozess gegenseitig unterstützen.

Rituals For Change Veraenderung & Wandel Workshop Seminar
Teilnehmer des letzten Rituals for Change Seminars im Mai 2019

Exklusiv für Hörer und Leser von TALENTE haben wir einen Rabatt von 20% auf das Rituals for Change Seminar am 26.-27. September 2019 in Berlin vereinbart. Nutze bei der Buchung den Rabattcode talente und spare damit rund 320,- Euro netto.

Previous

Mitarbeiterauswahl & Erwartungs-Management: Mein eigener Weg

Mitarbeiter Sourcing: Erfolg durch wertvolle Reminder

Next

Schreibe einen Kommentar