Wechsel in eine Festanstellung: Checkliste für Freelancer*innen

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Julia Lees gehört der Geschäftsleitung vom sum.cumo an. Sie verantwortet den Bereich People & Culture und ist seit Unternehmensgründung mit an Bord. Hier hat sie eine Checkliste erstellt, die bei der Entscheidung helfen soll, ob ein Wechsel in die Festanstellung für dich das Richtige ist.

Die IT-Branche wächst und wächst, leidet aber gleichzeitig mit jedem Jahr mehr unter dem Fachkräftemangel. Das bedeutet, dass sich fähige Entwickler*innen die Jobs und die Beschäftigungsform als Freelancer*innen oder in Festanstellung fast aussuchen können. 

Der Wechsel aus der Selbstständigkeit in die Festanstellung hat mit einigen Vorurteilen zu kämpfen und wird zuallererst mit Einschränkungen verbunden. Warum eigentlich? Wir haben nach Gesprächen mit Menschen, die beide Seiten kennengelernt und beurteilt haben, eine Checkliste für Freelancer*innen zusammengestellt, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Festanstellung helfen soll.

1. Moderne Unternehmenskultur – wie wird kommuniziert, wie wird Führung gelebt? Wie ist das Klima, wie hoch ist die Fluktuationsrate?

Wer über den Wechsel in eine Festanstellung nachdenkt, sollte auf die Arbeitsweise und Kultur des potentiellen Arbeitgebers achten: Wie frei bin ich in der Festlegung von Arbeitszeit und -ort? Wie offen und transparent wird kommuniziert und wie wird Führung hier gelebt? Da die Zusammenarbeit für einen längeren Zeitraum ausgelegt ist, ist es für Festangestellte wichtig, die eigenen Ansichten auch zu vertreten. So ist es von Vorteil in einem Unternehmen zu arbeiten, das bereit ist, neue Ideen zuzulassen und sich immer weiter zu verbessern. 

So erzählte uns ein Festangestellter, der zuvor neun Jahre als Solo-Freiberufler gearbeitet hatte, von seiner Arbeit in der neuen Umgebung. Das Unternehmen lebe die Philosophien „Es muss den Mitarbeitern gut gehen“, „Family First“, „Wir wollen, dass die Arbeit Spaß macht“. Er kannte das Unternehmen aus seiner Freelancerzeit und wusste, dass er sich nicht aus der Unabhängigkeit in eine Maschinerie begibt, die ihre Mitarbeiter links liegen lässt. Das hat ihn überzeugt.  

Dennoch sind viele Freelancer der Ansicht, dass ihnen ihre gewohnte Beschäftigungsform mehr Flexibilität und Freiheiten bietet. Um das beurteilen zu können, sollte man versuchen im Voraus abzuschätzen, wie Führung im jeweiligen Unternehmen gelebt wird. Besonders geschätzt werden flache Hierarchien sowie eine transparente und ehrliche Kommunikation. Auch gilt es in Erfahrung zu bringen, welche konkreten Angebote und Möglichkeiten das Unternehmen bietet, um frei und flexibel bleiben zu können. Aus unseren Gesprächen ergab sich, dass auch Festangestellte in modernen Unternehmen einen freien Gestaltungsraum haben und ihre Arbeitszeit sehr flexibel einteilen können. 

Grundsätzlich ist zu empfehlen, sich vorab ein Bild vom Arbeitsklima des neuen Arbeitgebers zu machen. Ein Blick auf die Fluktuationsrate kann einen guten Eindruck vom Teamzusammenhalt geben. Gibt es gemeinsame Events und Aktionen? Wie stehen die Mitarbeiter zum Unternehmen? Wie ist die Stimmung der Kolleg*innen untereinander? Gibt es die Möglichkeit, sich aktiv an der Weiterentwicklung und Gestaltung der Arbeitskultur und des Alltags zu beteiligen? Das alles sind Faktoren, die bei der Entscheidung für oder gegen die Anstellung berücksichtigt werden sollten.

2. Was ist dir lieber: Regelmäßig neue Themen oder langfristige, feste Projekte? 

Freelancer sind versierte Experten auf ihrem Gebiet, die dank ihres Know-hows in den unterschiedlichsten Aufgabenstellungen schnell eingearbeitet sind und ein Unternehmen bereichern können. Im Unternehmen wiederum gibt es erfahrene Mitarbeiter, die sich in einigen Jahren thematisch sehr umfangreich mit den verschiedenen Kunden, den Branchen und Projekten auseinandergesetzt haben. Jede*r muss für sich selbst abwägen, was einem mehr liegt: fachlich versierter, zeitlich begrenzter Einsatz oder langfristige Zusammenarbeit mit vertrauten Kolleg*innen an beständigen Projekten.

Einer unserer Gesprächspartner erzählte, dass er zur Festanstellung gewechselt sei, da er Projekte gern langfristig verfolgt, um über die Zeit verschiedene Aspekte von wachsenden Vorhaben kennenzulernen. Auch der regelmäßige Austausch mit den bekannten Kolleg*innen sei in der Festanstellung intensiver. 

3. Wie ist die Arbeitsausstattung und welche Benefits gibt es?

Die Basis für gute Arbeit besonders in der IT-Branche ist eine gute technische Ausstattung. Und auch die Gestaltung der Büroräume lässt erkennen, wie sehr ein Unternehmen die Arbeit seiner Mitarbeitenden schätzt. 

Einige Tech-Companies denken soweit, dass sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur die Arbeit vereinfachen wollen, sondern auch deren Leben. Deshalb schnüren sie mitunter individuelle Pakete aus Boni, Sonderleistungen, Regelungen und Förderungen, die jedem Einzelnen relevante Vorteile verschafft. Zwar gibt es auch für Freelancer Sonderzahlungen in Form von Geldprämien und Sachzuwendungen, allerdings werden diese eher selten gegeben. Man sollte sich bewusst sein, dass die Möglichkeiten an Benefits hier begrenzt sind.

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4. Welche Weiterentwicklungschancen gibt es nach dem Wechsel in die Festanstellung?

Gerade in einer sich schnell weiterentwickelnden Branche wie der IT, egal ob als Freelancer oder als Angestellter, ist es wichtig, sich stets weiterzubilden, moderne Arbeitsmethoden und die neuesten Entwicklungen der Branche mitzuverfolgen. 

Unseren Befragten war die Einstellung des Unternehmens zur Weiterbildung wichtig. Einige Unternehmen bieten die Möglichkeit, an Tech-Konferenzen teilzunehmen oder sie fördern die Community etwa durch die Organisation von Meetups. So entstehen wertvolle Kontakte und ein Netzwerk in der Branche, von denen die eigenen Mitarbeitenden profitieren können. Freelancer*innen sind hingegen mehr oder weniger auf sich allein gestellt, müssen die Weiterbildung selbst bezahlen und ihr Netzwerk alleine aufbauen. 

5. Wie attraktiv sind die eingesetzten Technologien, die Projekte und die Kunden?

Um auf dem neuesten Stand arbeiten zu können, ist der Einsatz moderner Technologien wichtig. Die befragten Kollegen betonen, dass sie als Festangestellte gern langfristige, wachsende Projekte begleiten. Auch schätzen sie den konstanten Austausch mit vertrauten Kolleginnen und Kollegen sehr. Auch eine eigene Produktentwicklung kann spannend sein und die Chance, Erfahrung in unterschiedlichen Kundenteams zu sammeln. Diese Faktoren kann man fraglos der sehr freien Gestaltung in der Freelancer-Arbeit gegenüberstellen. 

Nicht zuletzt ist auch der Blick auf die Kunden des Unternehmens wichtig. Die Attraktivität der täglichen Arbeit und die erfolgreiche Umsetzung eines Projektes werden maßgeblich vom Auftraggeber bestimmt. Kann man sich mit den Produkten und der Mentalität identifizieren und sich vorstellen, für ihn zu arbeiten? Antworten auf diese Fragen können bei der Entscheidung über den Schritt zur Festanstellung helfen. 

6. Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel – Wie kann mir eine Festanstellung in Zeiten der Familiengründung helfen? Wie ist das Gehaltsniveau?

Am Ende ist die Frage nach der Beschäftigungsform natürlich auch eine rechnerische Entscheidung. So mancher Freelancer verdient astronomische Beträge. Es ist aber selbstverständlich, dass er sich selbst um Altersvorsorge, Krankenversicherung, Weiterbildung und Büroausstattung kümmert. 

Wie hoch ist der Nettoverdienst, wie viele unbezahlte Tage für Urlaub, Krankheit, Weiterbildung hat man als Freiberufler, die man als Festangestellter bezahlt bekommt? Dazu sollte der effektive Stundenlohn rechnerisch verglichen werden, um dann über die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu entscheiden. Beide Parteien müssen hier einen Kompromiss finden.

Geht es um Familiengründung, kommt dem Freelancer die freie Zeiteinteilung zwar ohne Frage zugute, allerdings haben junge Familien auch einige Herausforderungen, neben der allgemein fehlenden Sicherheit und dem unsteten Einkommen, zu meistern. Um den Lebensunterhalt zu sichern sind Eltern darauf angewiesen, schnell wieder in den Job einzusteigen, da im schlimmsten Fall regelmäßige Projekte und Auftraggeber wegfallen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Verdienst jeglicher Art in der Elternzeit vom Elterngeld abgezogen wird und außerdem Steuern und Abgaben gezahlt werden müssen. Die frühe Rückkehr in den Job stellt somit für viele eher eine Doppelbelastung als Erleichterung dar. Um genügend Zeit für den Nachwuchs und keine zusätzlich anfallenden Kosten für Kinderbetreuung zu haben, sollte der Zeitpunkt der Familiengründung gut überlegt sein.

7. Wie sieht so ein Wechsel im Lebenslauf aus? Und ist das heute überhaupt noch wichtig?

Schon seit einigen Jahren sind Lebensläufe nicht mehr linear, sondern situationsbezogen. So ist ein Wechsel zwischen Freelancer-Dasein und einer Festanstellung jederzeit möglich – und auch nicht nur einmalig. Schon lange muss sich niemand mehr wegen seiner bisherigen beruflichen Laufbahn oder wegen Lücken und Kündigungen im Lebenslauf schämen. Viel wichtiger als ein perfekt designter, inhaltlich optimierter Lebenslauf ist der Glaube in seine eigenen Stärken und Fähigkeiten. Negative Erlebnisse und Erfahrungen sollten nicht verdrängt und verschwiegen, sondern reflektiert und positiv verarbeitet werden.

Die berufliche Vergangenheit ermöglicht dem potentiellen Arbeitgeber den Einblick in das Fach- und Erfahrungswissen des Bewerbers und lässt die Einschätzung einer erfolgreichen Zusammenarbeit zu. Gelassenheit und Selbstvertrauen in das eigene Können bilden die Basis für eine überzeugende Bewerbung – das kann kein noch so perfekter Lebenslauf ersetzen.

Wechsel in eine Festanstellung: Fazit 

Für den Wechsel von der Selbstständigkeit in die Festanstellung fassen wir zusammen, dass sich jede*r bewusst für die individuell passende Variante entscheiden sollte. Das kann auch bedeuten, lieber länger zu suchen und das Unternehmen vorher kennenzulernen, um so für beide Seiten die jeweilige Passung auszuloten. Viele Unternehmen bieten heutzutage ihren Mitarbeitenden viele Möglichkeiten, Freiheit und Flexibilität zu leben. Während starre Strukturen und mangelnde Anpassungsfähigkeit seitens des Arbeitgebers überholt sind, stehen Langfristigkeit und beidseitige Zufriedenheit im Fokus.


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