Sei widersprüchlich! – Ambidextre Führung vereint Gegensätze

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Sie sollen Innovation und neue Geschäftsideen generieren und gleichzeitig Kosten einsparen, um die Effizienz ankurbeln – Führungskräfte stehen häufig in einem Spannungsfeld gegensätzlicher Erwartungen. Dass dieses Spannungsfeld vorteilhaft, ja sogar gewünscht sein kann, wissen die wenigsten Manager. Im Fachjargon spricht man von „Ambidextrer Führung“ (ambidexter = beidhändig). Wir verraten, wie du ambidextre Führung in deinem Unternehmen implementieren kannst und dadurch profitierst.

Im digitalen Zeitalter sind neue Führungs-Kompetenzen gefragt

Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt steigt der Veränderungsdruck für Unternehmen. Entscheidungen müssen immer schneller getroffen werden und haben weitreichendere Folgen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der möglichen Optionen im digitalen Zeitalter zu – und damit auch die Komplexität für Führungskräfte. Die beschriebenen Transformations-Prozesse führen daher zu immer mehr Spannungen im Tagesgeschäft eines Managers: Einerseits sollen sie ihre Teams dazu motivieren und befähigen, kreative Ideen und Produkte zu entwickeln. Andererseits sollen diese Innovationen kostengünstig implementiert werden, das heißt möglichst schnell und mit so wenig Ressourcen wie möglich.

Um den Spagat zwischen den konträren Erwartungen zu meistern, müssen Führungskräfte die damit einhergehenden Spannungen bewusst wahrnehmen. Neben der achtsamen Wahrnehmung sind aber vor allem bestimmte Führungs-Kompetenzen gefragt. Jennifer Sparr, die an der ETH Zürich zu „Paradoxical Leadership“ forscht, beschreibt diese Kompetenzen wie folgt: „So ist es in der Ideenentwicklungsphase wichtig, den Mitarbeitern Freiräume zu gewähren, kritisches Denken und Kreativität anzuregen, sie zu ermutigen, Risiken einzugehen und mit Fehlern tolerant umzugehen. In der Umsetzungsphase des Innovationsprozesses muss hingegen der Fokus auf effizienter Umsetzung, Präzision und gemeinsamer Regelbefolgung liegen.“

Die Aufgabe der Führungskraft ist es demnach, situationsabhängig und flexibel zwischen unterschiedlichen Verhaltenweisen hin- und herzuspringen. In dem genannten Beispiel fördert die Führungskraft in der ersten Phase die Autonomie der Mitarbeiter. In der zweiten Phase, der Phase der Implementierung, übt sie hingegen eine stärkere Kontrolle aus. Diese Art der Führung nennt sich „Ambidextre Führung“ und kann durchaus als Kunst bezeichnet werden, konträre Zielsetzungen miteinander zu vereinen. Mehr zum Thema Führung erfährst du hier.

Ambidextre Organisationen müssen fehlertoleranter werden

Laut Christian Illek, seit 2015 Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei der Telekom, erfordern ambidextre Organisationsstrukturen, sich ressortübergreifend besser zu vernetzen und intensiver miteinander zu kommunizieren. Auch er betont, wie wichtig eine Kultur der Fehlertoleranz für Unternehmen ist, die im Spannungsfeld von Innovation und Effizienz agieren. Wer Fehler in seinen Teams zulässt, macht den Weg frei für mehr Kreativität und innovativere Produkte. Mittel-und langfristig seien auch Kunden mit nicht perfekten Lösungen glücklicher als mit Lösungen, die allzu lange auf sich warten lassen.

Ambidextre Führung hilft Unternehmen demnach, die komplexen Anforderungen der Umwelt zu meistern. Führungskräfte kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie müssen flexibel und wandelbar agieren -oder anders gesagt- sich wie ein Chamäleon der jeweiligen Situation anpassen.


Quelle: Sparr, J. L. (2013). „Mit beiden Händen“ führen. wissens.blitz (120). https://www.wissensdialoge.de/beidhaendig_fuehren

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